Das historische Dokument

„Teil – Lockdown“ in Grabenstätt 1935 wegen Spiraler Kinderlähmung

Die Kinderlähmung, eine hochansteckende Infektionskrankheit, trat ab 1910 in Europa als Epidemie auf, die jährlich tausende von Menschen betraf. Vor allem Kinder starben daran oder litten dauerhaft an den körperlichen Spätschäden. Die letzte große Erkrankungswelle trat 1960/61 in Deutschland auf.

Bereits ab 1950 gab es erste Impfungen, doch erst 1960 gelang mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff eine Poliobekämpfung. 1962 startete man wegen des drastischen Anstiegs der Erkrankung eine große Impfkampagne unter dem Motto „Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam“. Die Krankheitsfälle sanken dadurch von 100.000 auf 1000 pro Jahr.

In Grabenstätt trat am 10.08 1935 der bereits 9. Fall von spiraler Kinderlähmung im Bezirk auf. Das Bezirksamt veranlasste deshalb einen „Lockdown“ und verbat alle öffentlichen Veranstaltungen, Tanzlustbarzeiten, Volksfeste, Theateraufführungen und Versammlungen. Der Bürgermeister war für die strikte Durchführung dieser Anordnungen verantwortlich.

Die Maßnahmen wurden am 27.08.1935 noch verschärft: Die schulpflichtigen Kinder aus den Gemeinden -Bergen, Eisenärzt, Grabenstätt und Holzhausen - mussten der Schule bis 15.09.1935 fernbleiben.

Ob diese Maßnahmen gegriffen haben und das Infektionsgeschehen nachgelassen hat ist leider nicht überliefert. Seit 2002 hat die WHO Europa als poliofrei erklärt.

 

Maßnahmen zur Eindämmung der Kinderlähmung
Verbot des Schulbesuches für Grabenstätter Kinder