„Hüterin der Moore“ steht an ihrem Platz
Mit Kunst Naturphänomene sichtbar machen – Naturschutz kreativ gedacht
Seit Montag, 10.11.2025, steht sie nun an ihrem Platz: Die übermenschlich große und doch so human und vertraut wirkende Figur aus einem Beton-Leinen-Gemisch und Metall. Im herbstlichen Heidekraut der Kendlmühlfilzen wurde sie feierlich von einem Gremium, unter anderem bestehend aus Grassaus Bürgermeister Kattari, Künstlerin Monika Stein und Ökomodell-Gebietsbetreuerin Magdalena Bahr enthüllt. Fast mystisch anmutend regen ihre ausdrucksstarke Mimik und Gestik zum Nachdenken an.
Monika Stein hatte mit ihrem Entwurf der Filzenfee die Fachjury des 2024 ausgerufenen Moorskulpturenwettbewerbs überzeugt und ein Preisgeld sowie das Budget zur Realisierung gewonnen. Finanziert wurde das Projekt über das Regionalbudget. Im Novembergrau durfte die Skulptur nun an den angedachten Ort im Moorrundweg ziehen, sodass sie die Blicke möglichst vieler Besucherinnen und Besucher einfängt.
Erste Spaziergänger blieben am Aufstellungstag fasziniert vor der Skulptur stehen und stellten sich, ganz zur Freude von Magdalena Bahr, „genau die richtigen Fragen“. Das Thema des Wettbewerbs war: Zauber Transformation – kleine Klimahelfer, große Wirkung. Im Zentrum stehen das Methan-Molekül und seine Bedeutung.
Die Figur ist Botschafterin für die Fragilität intakter Ökosysteme und sensibilisiert unweigerlich ihren Betrachter für die Vergänglichkeit der Natur. In ihrer Körperhaltung scheint sich die Verzweiflung über das Sterben der Moore und die Folgen des Klimawandels widerzuspiegeln – ausgelöst durch Entwässerung, Torfabbau oder andere menschliche Eingriffe.
In ihren Händen hält sie eben jenes flüchtige Methan-Molekül als Sinnbild für die fragile Balance. Kann das Moor dieses Gas halten und durch Bakterien binden oder entweicht es in die Atmosphäre und verstärkt die Erderwärmung?
Die Filzenfee scheint uns mahnen zu wollen, diese einzigartigen Lebensräume zu bewahren. Denn nur intakte Moore können ihre Rolle als Klimaschützer erfüllen, indem sie Kohlenstoff speichern und Methan im Gleichgewicht halten.
Für Magdalena Bahr liegt neben der besonderen Artenvielfalt auch darin die Faszination intakter Moore: Das Methan, das bei der Zersetzung vom Torfmoos durch Mikroorganismen in sehr nassen und sauerstoffarmen Mooren entsteht und in die Luft entweichen würde, wird gleichzeitig von anderen Bakterien gebunden, die in intakten Mooren im oberen, etwas sauerstoffreicheren Bereich leben. Das System ist im natürlichen Gleichgewicht. Entwässerte Moore verlieren diese Fähigkeit. Selbst renaturierte Moore können diesen Zustand der Homöostase nicht immer wiederherstellen. Wenn der Mensch eingreift, hinterlässt das unwiderrufliche Spuren. Wie ein auseinandergebautes Uhrwerk, dessen Zahnräder sich nicht wieder so zusammenfügen lassen, dass es seine Aufgabe erfüllt. Deshalb stoßen entwässerte oder zerstörte Moore oft mehr Methan aus. Man habe erst (zu) spät herausgefunden, dass sich zwar die Kohlenstoffbilanz wiederherstellen lasse, dass aber das Methan – als eigentlich klimaschädlicheres Gas – auch in renaturierten Mooren trotzdem in größerer Menge freigesetzt würde, erklärt Magdalena Bahr.
Die wichtigste Botschaft der Hüterin der Moore ist somit: Intakte Moore bewahren und so das Klima schützen.





















